Stuttgart: Geschichte
=== Stuttgart in römischer Zeit ===
Aufgrund ihrer Lage ursprünglich bedeutendster Ort auf heutigem Stuttgarter Stadtgebiet war die Altenburg oberhalb der Neckarfurt im heutigen Cannstatt. Diese links des Neckars gelegene Anhöhe war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt und dort entstand um das Jahr 90 n. Chr. die älteste Siedlung in geschichtlicher Zeit auf heutigem Stuttgarter Stadtgebiet, ein zur Sicherung der dort zusammenlaufenden Verkehrswege angelegtes römisches Reiterkastell (Kastell Cannstatt), in dem ein rund 500 Mann starker Kavallerieverband stationiert war. Um das Kastell sowie östlich des Neckars im Bereich der heutigen Altstadt von Bad Cannstatt entstand eine unbefestigte zivile Siedlung (vicus). Sie blieb bestehen und wuchs weiter, nachdem das Kastell 159/160 n. Chr. mit dem Limes ostwärts, nach Welzheim (Valentia [?]) verlegt worden war. Streufunde belegen eine Größe dieser Siedlung von mindestens 19 Hektar (Forschungsstand von 1986). Damit war das römische Cannstatt weit größer als das mittelalterliche Cannstatt (ca. 10 Hektar ummauerte Fläche) und zugleich eine der größten römischen Städte im heutigen Baden-Württemberg nach Ladenburg (Lopodunum) und Rottenburg am Neckar (Sumelocenna), etwa gleichauf mit Wimpfen, Rottweil (Arae Flaviae) und Heidenheim an der Brenz (Aquileia). In römischer Zeit passierte fast der gesamte Fernverkehr von Mainz und dem Rheinland nach Augsburg und Rätien das heutige Bad Cannstatt. Auch wurden in römischer Zeit die ergiebigen Mineralquellen von Bad Cannstatt offenbar bereits genutzt.
Allerdings sind römische Großbauten (Wasserleitungen, Thermen, Theater, Stadtmauer, Forumsbauten o. Ä.) nicht nachgewiesen. Offenbar ging die Bevölkerungszahl der Stadt im frühen 3. Jahrhundert deutlich zurück, da seit jener Zeit die Belegung der römischen Gräberfelder deutlich abnahm. Zu dieser Kleinstadt gehörten eine so genannte Benefiziarierstation und eine größere zivile Ziegelei, die neben Töpferwaren auch anspruchsvolle Baukeramik produzierte. Es ist durch Ausgrabungen gesichert, dass spätestens die Römer im 1. Jahrhundert n. Chr. den Weinanbau an Rhein und Mosel einführten und er dort die Völkerwanderungszeit überdauert hat. Ob dies auch für den Raum Stuttgart gilt, ist bisher nicht mit Sicherheit nachgewiesen. Belegt ist der Weinanbau am Neckar (in Ladenburg) im Jahre 628 und in Bayern ebenfalls im 7. Jahrhundert.
Das Ende des römischen Cannstatt kam spätestens mit dem großen Alemanneneinfall von 259/260 n. Chr. Der lateinische Name der Stadt ist unbekannt.
Im ursprünglichen Stadtgebiet von Stuttgart (vor der Vereinigung mit Bad Cannstatt im Jahre 1905) sind zwei römische Gutshöfe (villae rusticae) belegt, eine im Heusteigviertel und eine am heutigen Hauptbahnhof, außerdem eine weitere Ziegelei nahe dem Hauptbahnhof, deren Reste im Zuge der Arbeiten für den neuen Bahnhof entdeckt wurden. Im heutigen Stadtgebiet von Stuttgart befanden sich mehrere weitere römische Gutshöfe, einer davon wurde bereits im Jahre 1843 entdeckt und lag im Ortskern von Münster, gut einen Kilometer nördlich von Bad Cannstatt. …