Kreis Wesel: Geschichte
Der Kreis Wesel ist wie fast alle Kreise in Nordrhein-Westfalen zum 1. Januar 1975 im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms entstanden. Mit dem Niederrhein-Gesetz vom 9. Juli 1974 wurden wesentliche Teile der ehemaligen Kreise Dinslaken, Moers und Rees mit Teilgebieten der Kreise Borken und Recklinghausen zum neuen Kreis Wesel zusammengefügt. Vorher war bereits zum 1. Juli 1969 in der 1. Phase der Neugliederung die Gebietsreform auf der Gemeindeebene teilweise vorweggenommen worden. Für die Gebietsreform der Kreise wurde eine Reihe von Grundsätzen entwickelt, auf dessen Grundsätzen am 1. Januar 1975 der neue Kreis Wesel durch den Zusammenschluss von Gemeinden der Kreise Dinslaken, Moers und Rees mit einer Gesamtfläche von 1.042 km² und einer Einwohnerzahl von damals 387.000 gebildet worden ist. Nach der Einwohnerzahl war er damit der fünftgrößte der 31 Kreise Nordrhein-Westfalens. Der Fläche nach liegt der Kreis Wesel oberhalb der damaligen nordrhein-westfälischen Durchschnittsgröße von 973 km². Die Stadt Wesel wurde Sitz des neuen Kreises, obgleich Moers die Stadt mit der größten Einwohnerzahl im Kreis war; denn Wesel weist eine zentralere Lage auf und ist für die Einwohner der mit weniger Kompetenzen ausgestatteten Unterzentren leichter zu erreichen.
Zum Beginn des Jahres 2005 stellte die CDU-Fraktion im Kreistag den Antrag auf Umbenennung des Kreises Wesel in „Niederrhein-Kreis Wesel“ zwecks Identifikations- und Tourismus-Maßnahme entsprechend dem Vorbild des Rhein-Kreises Neuss. In einer informellen Internet-Umfrage bis zum Ende des Jahres sprachen sich aber 1579 von 2884 Abstimmenden gegen die Umbenennung aus. Der Antrag wurde daraufhin zurückgezogen.
Nachdem sich der Kreis Wesel durch den Verkauf seiner Aktienanteile an der RWE AG entschuldet hatte, forderten im April 2007 die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen, FDP und UWW im Rat der Stadt Wesel die Auflösung des Kreises Wesel und die Verteilung der Aufgaben auf die einzelnen Kommunen, wodurch die Kreisumlage eingespart und somit nach Auffassung der Fraktionen Kosten gesenkt werden könnten. Zur Auflösung des Kreises wäre allerdings die Änderung der Landesverfassung nötig, die den Kreisen Bestandsgarantien einräumt.
Zum Herbst 2007 bekräftigten die Fraktionen der CDU, der FDP und der Grünen im Kreistag sowie die Bürgermeister einiger kreisangehörigen Gemeinden ihr Vorhaben, zum nächstmöglichen Termin, dem 20. Oktober 2009, aus dem Regionalverband Ruhr (RVR) auszutreten. Begründet wurde dies mit Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit der Mitgliedschaft im RVR sowie der Befürchtung, als Teil des Ruhrverbandes eine untergeordnete, fremdbestimmte Rolle zu spielen. Die für den Austritt nötige Zweidrittelmehrheit von 45 Stimmen des Kreistags wurde jedoch durch Gegenstimmen der SPD um drei Stimmen verfehlt.
Im März 2022 gab es einen erneuten Vorstoß der Fraktionen von CDU, Grünen und FDP, den Austritt aus dem RVR zu verwirklichen. In der Kreistagssitzung am 31. März 2022 wurde die für den Austritt notwendige Zweidrittelmehrheit von 45 Stimmen um vier Stimmen verfehlt. …