Bielefeld: Geschichte
2017 wurden Reste eines vermutlich 2000 Jahre alten römischen Militärlagers in einem Waldgebiet von Bielefeld-Sennestadt entdeckt.
Außerdem wurde 1988 ein Ringwall entdeckt, der auf eine römische Baustelle um 32/31 v. Chr. schließen lässt.
Bereits zur Mitte des 9. Jahrhunderts wurde der Ort erwähnt, als dem Kloster Corvey ein Mansus in Bylanuelde übertragen wurde. Die erste Erwähnung der Stadt Bielefeld stammt aus dem Jahr 1214.
Seine Stellung als wichtigster und größter Ort der Region ist im Falle Bielefelds wenig historisch begründet. Über einen großen Teil der frühen Geschichte waren andere Städte im heutigen Ostwestfalen wie Paderborn (bedeutendes Bistum) oder Minden (Verwaltungsstadt des gleichnamigen Fürstentums) weitaus wichtiger und nahmen eher Vormachtstellungen ein, da diese angrenzenden Herrschaftsgebilde politisch bedeutender waren als die Grafschaft Ravensberg, deren Hauptstadt Bielefeld werden sollte.
Bielefeld wurde im Vergleich relativ spät gegründet und wurde mehr durch strategische als durch geschichtliche Legitimation zu einem wichtigen Ort der Grafschaft gemacht: Bielefeld gehörte zu den zahlreichen Stadtgründungen des Hochmittelalters und entstand mit der Absicht, die Herrschaft des Landesherrn zu sichern, da sie an der Südgrenze der Grafschaft Ravensberg lag. Die Landesherren wollten den Ort planmäßig als Kaufmannsstadt und Hauptstadt der Grafschaft ausbauen. Erst durch den Bedeutungsverlust der historisch bedeutenderen Orte durch verschiedene Faktoren (in Paderborn durch die Säkularisierung und dem folgenden Machtverlust geistlicher Herrschaften, in Minden u. a. durch die Entscheidung zur Beibehaltung der Stadtfestung, und somit Einschränkung des Wachstums) blieb Bielefeld als Stadt übrig, die durch Handel wohlhabend geworden war und sich ungehindert ausbreiten konnte.
Aufgrund seiner Lage an der Kreuzung mehrerer alter Handelswege und an einem wichtigen Pass durch den Teutoburger Wald entwickelte sich Bielefeld schnell zum Wirtschafts- und Finanzzentrum der Grafschaft Ravensberg. Um 1240 begann der Bau der Sparrenburg, die nach ihrer Fertigstellung als Wohnsitz des Landesherrn und seines Gefolges diente. Außerdem sollte die Burg die Stadt und den Pass über die Berge des Teutoburger Waldes schützen. Ab 1293 entstand die Neustadt. Während die Altstadt mehr auf Handel ausgerichtet war, wohnten in der Neustadt vor allem Bedienstete und Versorger der Burg. Der Wohlstand der Kaufleute und Handwerker wuchs nicht zuletzt durch den Beitritt Bielefelds zur Hanse im 15. Jahrhundert.
Im Vorfeld und im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde die Sparrenburg nacheinander von holländischen, spanischen, schwedischen und französischen Truppen besetzt. In den Jahren 1636 und 1637 wütete die Pest in Bielefeld und forderte rund 350 Opfer. Im 17. Jahrhundert begann die Entwicklung Bielefelds zur „Leinenstadt“, was in der damaligen Zeit vor allem Leinenhandel bedeutete. Die Bauern des Ravensberger Landes bauten auf ihren Ackerflächen anstatt Korn vorzugsweise den staatlich subventionierten Flachs an und verarbeiteten diesen in Heimindustrie zu Leinen. Der Leinenhandel führte zu einem gewissen Wohlstand in der Stadt. Um 1830 geriet das Bielefelder Leinenhandwerk in eine schwere Krise, da in Irland, England und Belgien mit der Produktion maschinell gewebter Stoffe begonnen wurde. Die wirtschaftliche Not vieler Bielefelder führte zu Unruhen während der Revolution von 1848. …