Kreis Pinneberg: Geschichte
Die Kreisverwaltung hat ihren Sitz in Elmshorn und nicht in der Kreisstadt Pinneberg. Nach jahrelanger kontroverser politischer Diskussion über eine Sanierung der bisherigen Kreisverwaltung oder einen Neubau an einer anderen Stelle in Pinneberg entschied sich der Kreistag 2009 mit knapper Mehrheit für einen Umzug nach Elmshorn in das leerstehende Talkline-Bürogebäude. Pinneberg behält jedoch den Titel Kreisstadt.
Das Gebiet war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, wovon unter anderem Grabhügel bei Appen, Hemdingen und in der Nähe der Heeder Tannen im westlichen Kreisgebiet zeugen. Auch der Ochsenweg, eine prähistorische Fernhandelsstraße nach Dänemark, führte von Wedel über Uetersen nach Elmshorn durch das Kreisgebiet.
Das Gebiet des Kreises Pinneberg ist Teil des Gebietes des historischen Gaues Stormarn der Grafschaft Holstein, die 1111 Graf Adolf I. aus dem Hause Schauenburg verliehen wurde. Aufgrund verschiedener Erbteilungen entstand die Pinneberger Linie des Hauses Schauenburg. Nach dem Aussterben der anderen Linien und der Belehnung von Christian I. von Dänemark mit den anderen Teilen Holsteins entstand hier die Grafschaft Holstein-Schauenburg, die bis 1640 bestand und erst dann an den dänischen König Christian IV. fiel. Nach der zwischenzeitlichen Teilung in die Grafschaft Rantzau und die Herrschaft Pinneberg entstand aus diesen beiden Gebieten sowie den Güterbezirken Haseldorf, Haselau, Flottbek, Seestermühe und dem Klosterbezirk Uetersen 1867 der Kreis Pinneberg.
Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs die Einwohnerzahl im Kreis Pinneberg durch die Eingemeindung von Thesdorf und Zuzug aus Hamburg und Bezirk Altona stark an um etwa 2.000 neue Einwohner. Dies lag u. a. daran, dass die großstädtischen Opfer der Weltwirtschaftskrise (1929–1931) billigen Wohnraum in den Umlandgemeinden suchten. Anfang der 1930er Jahre konnte man dabei signifikante Unterschiede zwischen dem „Bürgertum“ und der „Arbeiterklasse“ feststellen. Jede der beiden Gruppen hatte eigene Wohnviertel, Vereine, Feste, Lokale, kulturelle und politische Orientierungen.
Die Gesellschaft war zunehmend gespalten. Besonders die Handwerkerbünde, der Schleswig-Holsteiner Bund und die Pinneberger Justiz radikalisierten sich unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise nach rechts. Das linke Milieu war spätestens ab 1930 tief gespalten zwischen der SPD, die 1932 noch stärkste Partei der Linken im Kreis war, mit 898 Frauen und 2.417 Männern, und der KPD. Der Arbeitsamtsbezirk Pinneberg (Stadt Pinneberg und die Landgemeinden Appen, Prisdorf, Kummerfeld, Borstel-Hohenraden, Tangstedt, Egenbüttel, Ellerbek, Rellingen und Halstenbek) zählte zum 31. Dezember 1931 2.415 Arbeitslose, im Januar 1929 waren es 1.123 gewesen.
Am 5. Januar 1927 gründete die NSDAP ihre erste Ortsgruppe in Pinneberg. Die Schwerpunkte der NSDAP lag im Oktober 1929 besonders in den agrarisch geprägten Landgemeinden des Kreises. Der Aufschwung des organisierten Nationalsozialismus in Pinneberg begann erst nach dem Wahlsieg vom September 1930, nicht zuletzt wegen der Agitation in der Fläche des Kreises, zumal die Zeitungen von den Veranstaltungen der NSDAP auf den Dörfern ausführlich berichteten. 1931 etablierte sich die NSDAP mit Saalschlachten und der Gründung der SA im Februar, die mit einem Zug von 680 Mann unter Mitführung von Fahnen und Musik durch die Straßen Pinnebergs zog. …