Kreis Minden-Lübbecke: Geschichte
Um 800 gründete Karl der Große im Zuge seiner Auseinandersetzungen mit den Sachsen, die auch im Mindener Land ansässig waren, das Bistum Minden. Sächsischer Stammesfürst und Widersacher Karls war Widukind, der mit der Region bis heute legendenhaft fest verbunden ist (vgl. Evangelische Kirche Bergkirchen).
Das Bistum entwickelte sich im Hochmittelalter als Hochstift Minden zum Reichsfürstentum. Sein Gebiet war bedeutend kleiner als die kirchliche Diözese und entsprach in etwa dem Gebiet des heutigen Kreis Minden-Lübbecke. Einige Gebiete im Süden des heutigen Kreises (Preußisch Oldendorf) gehörten zur sich im 12. Jahrhundert festigenden Grafschaft Ravensberg, die als erstes Territorium dieser Region 1614 an Brandenburg-Preußen fiel.
Im Dreißigjährigen Krieg war das Land schwedisch besetzt. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 fiel auch das Hochstift Minden als säkularisiertes Fürstentum Minden an die Kurfürsten von Brandenburg. Bereits seit der Reformation im Mindener Land um 1530 bestand das katholische Bistum Minden nur noch symbolisch fort, hatte aber seinen säkularen Machtanspruch weitgehend verwirkt. Die Regierung des Hochstifts hatte ihren Regierungssitz seit dem 14. Jahrhundert in Petershagen, ab 1650 vorübergehend und ab 1669 dauerhaft in Minden. 1719 schloss Preußen die Grafschaft Ravensberg und das Fürstentum Minden als Minden-Ravensberg verwaltungstechnisch zusammen. Minden wurde Verwaltungshauptstadt Minden-Ravensbergs, ab 1723 Sitz einer Kriegs- und Domänenkammer und begründete seine führende Rolle als Beamten- und Verwaltungsstadt in Ostwestfalen, die es bei 1947 beibehielt. Im Siebenjährigen Krieg wurde das Land zeitweise französisch besetzt, und am 1. August 1759 wurde in der Schlacht bei Minden eine unter französischer Leitung stehende Armee geschlagen.
Im Jahre 1807 errangen französische Truppen die Oberherrschaft, und das Territorium wurde dem von Jerome Bonaparte beherrschten Königreich Westphalen zugeschlagen. Darin hatte der Distrikt Minden im Departement der Weser in etwa die Ausdehnung des vormaligen Fürstentums Minden. 1810 fiel der Teil links der Weser und nördlich der Werre unmittelbar an das Kaiserreich Frankreich (als Distrikt Minden im Departement der Oberen Ems). Der östlich der Weser gelegene Teil blieb im Königreich Westphalen.
1813/14 kam das Land wieder unter preußische Kontrolle – zunächst als Teil des Zivilgouvernements zwischen Weser und Rhein. Bei der Neugliederung des preußischen Staatsgebietes 1815 wurde das Fürstentum Minden nicht wiederhergestellt, der Titel des Fürsten zu Minden blieb jedoch im Großen Titel der preußischen Herrscher erhalten. Das Gebiet wurde Teil des Regierungsbezirks Minden in der Provinz Westfalen. Ab 1816 wurde das heutige Kreisgebiet im Wesentlichen durch das Gebiet der Kreise Minden, und Lübbecke (zunächst Rahden) repräsentiert. Kleinere Teile des heutigen südlichen Kreisgebietes gehörten zunächst zu den Kreisen Bünde und Herford. Minden, das zunächst 1816 kreisfrei war, war jetzt Verwaltungszentrum für ganz Ostwestfalen. Die Stadt wurde zur preußischen Festungsstadt ausgebaut und war seitdem wichtige Garnisonsstadt. …