Kreis Stormarn: Geschichte
Stormarn ist der Name eines mittelalterlichen Gaues und einer späteren Grafschaft, deren Einwohner schon im 11. Jahrhundert als Stormarii (auch Stormere) bezeichnet werden.
Bis um das Jahr 600 wurde die Region vor allem von Sachsen besiedelt. Die Ostgrenze Stormarns zum heutigen Kreis Herzogtum Lauenburg stimmt in etwa mit der historischen Grenze zwischen Sachsen und Wenden der damaligen Zeit überein. Um 810 wurde der Limes Saxoniae (auch Sachsenwall genannt) als Grenze des sächsischen Stormarns zu den Abodriten festgelegt. Reste einer Ringwallanlage sind heute noch bei der Nütschauer Schanze zu finden.
Im Jahr 1111 erhielt Graf Adolf von Schauenburg Holstein, Wagrien und Stormarn als Lehen, wobei das damalige Stormarn sich noch weiter westlich als der heutige Kreis befand. Erst durch den Teilungs- und Friedensvertrag von Oldesloe wurde ab 1322 die Alster die Westgrenze Stormarns.
1762 fielen die Ämter Reinfeld und Rethwisch an Dänemark, 1773 wurden ebenfalls die altstormarnischen Ämter Trittau (nicht identisch mit dem heutigen Amt Trittau), Reinbek und Tremsbüttel dänisch.
Als 1867 Schleswig-Holstein an Preußen fiel, wurden in der Provinz Schleswig-Holstein 19 neue Kreise und ein Stadtkreis (Altona) nach preußischem Vorbild gebildet. Einer dieser Kreise war auch Stormarn. Er wurde aus den alten landesherrlichen Ämtern Reinbek, Reinfeld, Rethwisch, Tremsbüttel und Trittau (nicht identisch mit dem heutigen Amt Trittau), der Stadt Bad Oldesloe, den amtsfreien Gemeinden Wandsbek und Reinfeld, 17 Adligen Gütern und den in das Gebiet eingeschlossenen lübschen Enklaven gebildet. Verwaltungssitz war zunächst Reinbek, wobei sich die Verwaltung im Schloss Reinbek befand. Das Kreisgebiet wurde in vier Kirchspielvogteien untergliedert, denen die Landgemeinden zugeordnet waren. Die Adligen Güter wurden in Gutsbezirke umgewandelt. 1873 wurde der Kreissitz nach Wandsbek verlegt. 1901 wurde Wandsbek kreisfreie Stadt, blieb aber weiterhin Sitz der Kreisverwaltung.
1889 brachte die preußische Kommunalverfassung vom 26. Mai 1888 eine neue Kreisordnung: An die Stelle der vier Kirchspielvogteien traten nunmehr 26 Amtsbezirke, in die die 127 Landgemeinden des Kreises eingeordnet wurden. Außerdem bestanden die 21 Gutsbezirke, die Stadt Oldesloe und die Flecken Wandsbek und Reinfeld als amtsfreie Gebietskörperschaften. Ebenfalls wurde eine neue Kreisberufsschule in Bad Oldesloe gegründet. Bereits seit 1844 hatte es in Bad Oldesloe eine Berufsschule gegeben. 1898 eröffnete eine Landwirtschaftsschule, die jedoch 1994 geschlossen wurde.
Am 23. Oktober 1923 wurde im Rahmen des Hamburger Aufstandes der KPD der Bürgervorsteher Bargteheides festgesetzt und die Sowjetrepublik Stormarn ausgerufen. Die Republik wurde bereits am nächsten Tag von Lübecker Soldaten niedergeschlagen.
Das Unterelbegesetz von 1927 vereinigte u. a. Lohbrügge mit Sande und schuf aus den Gemeinden Schiffbek, Öjendorf und Kirchsteinbek die neue Großgemeinde Billstedt. Die neue Gemeinde Billstedt war aber nur zehn Jahre Teil von Stormarn. Dann wurde sie 1937 mit weiteren Gemeinden (Lohbrügge, Rahlstedt, Wandsbek) infolge des Groß-Hamburg-Gesetzes nach Hamburg eingemeindet. Seinerzeit verlor der Kreis etwa die Hälfte seiner Einwohner. Der Sitz der Kreisverwaltung blieb jedoch zunächst im Stormarnhaus in Hamburg-Wandsbek. Spätestens ab den 1920er Jahren gab es daher Bestrebungen, den Kreissitz in eine Stadt innerhalb des Landkreises zu verlegen. …