Heimatgeschichte · Erfurt ·

Erfurt: Geschichte

Erfurt: Geschichte

=== Frühgeschichte ===
Spuren erster Besiedlung im jetzigen Stadtgebiet finden sich bereits aus vorgeschichtlicher Zeit. So zeugen archäologische Funde im Norden Erfurts von menschlichen Spuren aus der Altsteinzeit um 100.000 v. Chr. Weitere Funde in der Grube von Erfurt-Melchendorf belegen eine Besiedelung in der Jungsteinzeit.
Westlich von Erfurt existierte in den Jahrhunderten n. Chr. eine große germanische Siedlung, die im Jahr 2000 beim Bau der Bundesautobahn 71 angeschnitten und von 2001 bis 2003 etwa zur Hälfte ausgegraben wurde (Erfurt-Frienstedt). Für 480 ist der germanische Sammelverband der Thüringer (Thuringi) aus Hermunduren, Angeln und Warnen im Erfurter Gebiet bisher durch Überlieferungen belegt, ohne dass für das 4. bis 10. Jahrhundert archäologische Funde nachgewiesen werden konnten. An kaiserzeitlichen Funden fanden sich hingegen knapp 200 Münzen, die bis in das 3. Jahrhundert reichen, dazu 150 römische Keramikfragmente und mehr als 200 Fibeln. Hinzu kommen elf Körpergräber der Haßleben-Leuna-Gruppe.
In der genannten germanischen Siedlung, dem Fundplatz Frienstedt bei Erfurt, wurde auf einem Kamm aus einem Opferschacht das älteste in Mitteldeutschland entdeckte, in Runenschrift geschriebene germanische Wort gefunden: „kaba“ (gesprochen: kamba; Kamm).

Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung von Erfurt findet sich in einem Brief des Bonifatius anno 742 als Missionserzbischof an Papst Zacharias II., in dem Bonifatius den Papst um die Bestätigung der von ihm geweihten Bischöfe und eingerichteten Bistumssitze bittet, nämlich „… den dritten in dem Ort (in loco), welcher ‚Erphesfurt‘ heißt, der schon vor Zeiten eine befestigte Siedlung (urbs) heidnischer Bauern gewesen ist…“ Die Gera, an der Erfurt entstand, hieß ursprünglich Erfes (auch Erphes, Erfis oder Erphis).
Das somit gegründete Bistum Erfurt wurde bereits 755, nachdem Bonifatius im Jahr 754 bei Dokkum von den Friesen erschlagen worden war, mit dem von Mainz vereinigt. Die Gründe dafür sind unklar, möglicherweise spielte die Grenznähe zu den Sachsen und Slawen eine Rolle. Spätestens mit der Bistumsgründung muss auch eine Bischofskirche vorhanden gewesen sein, und es ist anzunehmen, dass diese eine Vorläuferkirche des heutigen Domes auf dem Domberg war. Im Jahr 805 erklärte Karl der Große Erfurt zu einem der Grenzhandelsplätze, unweit der Grenze des damaligen Frankenreiches. Erfurt hatte unter den Karolingern und Ottonen eine Königspfalz, die auf dem heutigen Petersberg als sicher angenommen wird. Im 10. Jahrhundert kam Erfurt unter die weltliche Herrschaft der Mainzer Erzbischöfe, die bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 andauerte.
1184 kam es zum Erfurter Latrinensturz.
In Erfurt haben sich herausragende Zeugnisse jüdischer Kultur des hohen und späten Mittelalters erhalten. Dazu zählen die Alte Synagoge, deren Bau 1094 begann, womit sie die älteste erhaltene Synagoge Europas ist. Auch die benachbarte, aus dem 13. Jahrhundert stammende Mikwe zählt zu den ältesten in Europa. 1998 wurde bei Ausgrabungen in der Michaelisstraße ein jüdischer Schatz gefunden, dessen Inhalt zu den bedeutendsten Zeugnissen jüdisch-mittelalterlicher Kultur in Europa zählt. Mit einem Pestpogrom im Jahr 1349 wurde der ersten jüdischen Gemeinde ein jähes Ende bereitet. Ab 1354 entstand eine zweite jüdische Gemeinde, bis der Erfurter Rat 1453/1454 den Juden den Schutz entzog und sie zur Abwanderung zwang. Erst im 19. Jahrhundert siedelten sich wieder Juden in der Stadt an. …

von Fremdinhalte · Regionauts

Quelle: Text: Wikipedia – „Erfurt“, Autorinnen und Autoren (Versionsgeschichte), CC BY-SA 4.0 · Foto: Erich Braun, CC BY-SA 3.0 – Wikimedia Commons