Landkreis Stade: Geschichte
=== 1885 bis 1932 ===
Der erste Kreis Stade wurde 1885 im Regierungsbezirk Stade der preußischen Provinz Hannover gebildet.
Bei der preußischen Kreisreform vom 1. Oktober 1932 wurde durch den Zusammenschluss des alten Kreises Stade mit dem Kreis Kehdingen sowie dem Westteil des Kreises Jork ein neuer Landkreis Stade gebildet. Dem neuen Landkreis wurden außerdem die Gemeinden Großenwörden, Hüll und Neuland aus dem aufgelösten Kreis Neuhaus an der Oste zugeschlagen.
Im Rahmen des Groß-Hamburg-Gesetzes trat der Landkreis Stade am 1. April 1937 die Gemeinde Cranz an Hamburg ab.
In der Zeit des Nationalsozialismus kam es auch im Landkreis Stade zur Judenverfolgung durch das NS-Regime. Bei den Novemberpogrome von 1938 gab es am 9. November Ausschreitungen von SS- und SA-Männern gegen jüdische Einrichtungen und Menschen, denen sich viele Stader Bürger anschlossen. Sowohl beim Bankhaus Friedlaender und Wertheim, als auch bei der Rechtsanwaltskanzlei Hertz wurden die Scheiben eingeschlagen und die Innenräume teilweise verwüstet. Die jüdischen Besitzer konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Jüdische Geschäfte im Landkreis wurden ab 1. April 1933 mit Boykott bedroht. Darunter war auch das Süßwarengeschäft Julius Poppert in der Bahnhofstraße 1, dessen Besitzer sich aufgrund der Repressionen zwei Jahre später das Leben nahm. Von der Judenverfolgung zeugt der Jüdische Friedhof in der Albert-Schweitzer-Straße in Stade, der heute nur noch einen originalen Grabstein aufweist. Der damalige Stader Bürgermeister Carl Nörtemann (NSDAP) gab im Juni 1940 Anweisung zur Schändung des Friedhofes. 1942 wurde der seit 1826 bestehende Friedhof geräumt und eingeebnet. Die Grabsteine verschwanden bis auf einen spurlos. Heute erinnern noch zwei Gedenkstelen an die dort begrabenen Deutschen jüdischen Glaubens.
Die ersten Deportationen von Juden und der laut den NS-Rassegesetzen als jüdisch geltenden Personen aus der Stader Region begannen gegen Ende des Jahres 1941. Nach kurzen Zwischenaufenthalten in Hamburg oder Bremen wurden die hier lebenden Juden mit der Reichsbahn zu den Deportationsorten KZ Theresienstadt, ins Ghetto Riga und Ghetto Minsk verbracht. Dort wurde ein Großteil von ihnen in planmäßigen Vernichtungsaktionen durch Giftgas, Erschießung oder gezielt herbeigeführte Entkräftung ermordet. Am 18. November 1941 wurden beispielsweise 440 Juden zum Bremer Bahnhof getrieben und zusammen mit 130 weiteren aus dem Regierungsbezirk Stade in Güterwaggons nach Minsk verschleppt. Die letzte bekannte Deportation aus der Stader Region fand Mitte August 1943 aus Assel statt. Lediglich eine Stader Jüdin, die 1899 geborene Erna Davids, überlebte das Vernichtungslager.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch im Landkreis Stade Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Sie leistete Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie und in der Privatwirtschaft bei Bauern und in Haushalten sowie bei der Reichsbahn und der Organisation Todt. Lagerstandorte für russische Kriegsgefangene befanden sich in Brest (Kreis Stade), in der Gastwirtschaft Arnold Dittmer, und in Brest-Aspe, als Außenlager des Stalag Stammlager X B bei Sandbostel. Die Grabstätte eines der NS-Opfer, des russischen Kriegsgefangenen Gregori Komarow in Nottensdorf, erinnert an diese Verfolgungsschicksale. …