Kassel: Geschichte
=== Name der Stadt ===
Die erste Erwähnung des Königshofes Chassalla oder Chassella findet sich auf zwei erhaltenen Urkunden von 913. 940 findet sich die Stadt als Cassella, 1152 als Cassele, 1182 als Cassela, 1202 als Cassle und 1221/1222 als Cassela, Cassel bezeugt. Die heutige Schreibweise Kassel ist seit 1927 amtlich.
Seit dem 16. Jahrhundert wird versucht, den Ortsnamen Kassel vom lateinischen Wort castellum „Befestigung“, Plural castella herzuleiten, doch spricht nicht nur dagegen, dass in Kassel nie römische Funde gemacht worden sind, sondern auch sprachwissenschaftliche Gründe lassen eine Entwicklung von castella zu Chassella nicht zu. Auch Erklärungen mithilfe des Germanenstamms der Chasuarier oder eines germanischen Personennamens überzeugen nicht. Einen neuen Weg beschreitet Werner Guth mit seinem 2010 präsentierten Vorschlag, den Namen Kassel nicht als historisches Simplex aufzufassen, sondern auf ein Kompositum zurückzuführen, bestehend aus altmitteldeutsch/altniederdeutsch kas- „Mulde, Vertiefung“ und -sella, einer Ableitung von sali/seli „Gebäude“. Die ursprüngliche Bedeutung des Namens Kassel wäre damit „Gebäude in oder an einer Geländemulde“. Diese Deutung korrespondiert mit der ursprünglichen Lage des Stadtkerns im Bereich der ehemaligen Mündung der Ahne in die Fulda.
Archäologische Funde aus dem Jahr 2007 am Altmarkt belegen eine neolithische Besiedlung des heutigen Kasseler Stadtgebiets. Auf dem Gelände des Flughafens Kassel wurde eine jungneolithische Doppelkreisgrabenanlage gefunden, die 14 Hektare umfasst – das Caldener Erdwerk genannt.
Auf dem Georg-Stock-Platz wurden 2025 eisenzeitliche Siedlungsspuren gefunden, Bestattungen aus der Zeit sind schon länger bekannt.
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung stammt vom 18. Februar 913. Damals hielt sich König Konrad I. in dem befestigten und an der Fulda liegenden Königshof auf und stellte Urkunden in Chassalla aus. Weder der Inhalt der Urkunden noch darin genannte Personen stehen in direktem Bezug zur heutigen Stadt.
Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte sich der damalige Königshof zur Residenz der Grafen von Hessen. Zwischen 1140 und 1148 wurde auf dem Ahnaberg am Nordrand der damaligen Siedlung das Prämonstratenserinnenstift Kloster Ahnaberg gegründet. Vor 1189 erlangte Kassel das Stadtrecht. Eine Handfeste ging zwar verloren, die städtischen Rechte wurden aber 1239 erneut bestätigt.
1189 wurde Kassel erstmals als Stadt im heutigen Sinne bezeugt. Nach dem Ende der ludowingischen Epoche erhielt zunächst die Brabanter Linie der Herzogin Sophie die Unabhängigkeit gegenüber den Wettinern in Sachsen und festigte damit die engen Beziehungen des Landgrafentums Hessen zu Holland.
1239 erneuerte Landgraf Hermann II. der Jüngere von Thüringen einige Stadtrechte, 1277 wurde Kassel Hauptresidenz des ersten hessischen Landgrafen Heinrich I. der neugeschaffenen Landgrafschaft Hessen. Bedeutende Bauwerke dieser Zeit sind die Brüderkirche, das Elisabethhospital und die Martinskirche. 1378 vereinigten sich Altstadt, Neustadt und Freiheit. Zu den markanten Bauwerken des Spätmittelalters gehören das Rathaus (1408) und der Druselturm (1415). …