Zollernalbkreis: Geschichte
Der Zollernalbkreis liegt auf den Territorien der ehemals souveränen Staaten Preußen (Hohenzollernsche Lande), Württemberg und (mit einem kleinen Anteil) Baden.
Der Zollernalbkreis wurde durch die Kreisreform am 1. Januar 1973 durch Vereinigung des Landkreises Balingen mit den meisten Gemeinden des Landkreises Hechingen (einige kamen zu den vergrößerten Landkreisen Freudenstadt und Rottweil), drei Gemeinden des Landkreises Sigmaringen und den Gemeinden Hartheim und Heinstetten des Landkreises Stockach gebildet. Am 1. Februar 1973 wurde die Gemeinde Schörzingen vom Landkreis Rottweil in den Zollernalbkreis umgegliedert (Eingemeindung in die Stadt Schömberg). Am 1. Juli 1974 folgte Hörschwag aus dem Landkreis Reutlingen (Eingemeindung nach Burladingen); bis zu dessen Auflösung hatte Hörschwag zuvor ebenfalls zum Landkreis Hechingen gehört.
Der Altkreis Balingen ging 1938 im Wesentlichen aus dem gleichnamigen Oberamt hervor, das 1806 nach dem Übergang an das Königreich Württemberg errichtet worden war. Im Laufe der Geschichte wurde dieses mehrmals verändert, 1938 wurden dem Landkreis Balingen Orte aus den Oberämtern Sulz, Spaichingen und Rottweil zugeordnet. Der Altkreis Hechingen war 1925 aus den hohenzollerisch-preußischen Oberämtern Hechingen und Haigerloch sowie einigen Orten des Oberamtes Gammertingen gebildet worden. Auch die Oberämter Hechingen und Haigerloch veränderten im Laufe der Geschichte ihre Grenzen mehrmals (u. a. 1854 Aufhebung der Oberämter Glatt und Straßberg).
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Zollernalbkreis noch 25 Gemeinden, darunter neun Städte, darunter die zwei Großen Kreisstädte Albstadt und Balingen. Größte Stadt des Kreises ist Albstadt, kleinste Gemeinde ist Dautmergen. Zwischen 1990 und 1994 kam es zur Verwaltungspartnerschaft mit dem Landkreis Freital in Sachsen, diese endete aber nach der sächsischen Landkreisreform.
Im Gebiet des Zollernalbkreises waren bis zum Zweiten Weltkrieg neben dem schwäbischen Dialekt auch Jiddisch und Pleißne in Verwendung. Romanes wird heute noch gesprochen.
Das Pleißne ist ein historischer regionaler Soziolekt aus dem Hausierhandel im Zollernalbkreis, der zu den Dialekten des Rotwelschen gehört. Pleißne hat den Wortschatz der örtlichen Umgangssprache geprägt und werde laut Werner Metzger im Rahmen lokaler Traditionspflege weiter praktiziert. In fast allen Orten gibt es kleine Seldnerkolonien, in Frommern Graniz genannt.
Im Killertal, Erlaheim, Laufen, Tailfingen und Meßstetten fand die Bevölkerung einen besonderen Weg, um mit der extremen wirtschaftlichen Not, wie sie auch hier im 18. und 19. Jahrhundert herrschte, fertig zu werden: Direktvermarktung von Obst, Bäumen, Waldsamen, Fasshähnen, Rechen, Gabeln, Kochlöffeln, Strümpfen, Textilien, Tellern, Schwefelhölzern und Peitschen im Hausierhandel mit der Geheimsprache Pleißne.
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Der Anteil der christlichen Kirchenmitglieder im Kreis sinkt jährlich um etwa 1 %. Gemäß dem Zensus 2022 waren zum Zeitpunkt der Erhebung 36,9 % der Einwohner römisch-katholisch, 27,7 % evangelisch, und 35,4 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.