Schwalm-Eder-Kreis: Geschichte
=== Vorgeschichte und Mittelalter ===
Zahlreiche Funde aus der Steinzeit deuten darauf hin, dass das heutige Kreisgebiet schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Um die heutigen Kleinstädte Felsberg, Fritzlar, Gudensberg und Niedenstein befand sich das Kerngebiet der Chatten, daher trägt die Region auch den Namen Chattengau. Die größte Fliehburg der Chatten dürfte die Altenburg bei Niedenstein gewesen sein, die etwa ab 2000 v. Chr. besiedelt wurde. Funde von Goldmünzen, Bronzegegenständen und Glaserzeugnissen sprechen dafür, dass das Oppidum ein wichtiger regionaler Handelsplatz war. Die datierbaren Funde hören kurz vor der Zeitenwende auf. Möglicherweise wurde die Anlage im Laufe des Rachefeldzuges des römischen Feldherrn Germanicus gegen die Chatten 15 n. Chr. aufgegeben oder zerstört. Tacitus berichtet, dass der Hauptort der Chatten, Mattium, niedergebrannt wurde, und dass die Römer zuvor die Eder nach Norden überquert hatten. Bis heute ist unklar, wo dieser Ort lag. Einige Historiker nehmen daher an, dass es sich bei Mattium nicht um eine begrenzte Örtlichkeit, sondern um ein größeres Gebiet handelt, das aus diversen Einzelgehöften und Fliehburgen mit Ringwällen bestand. Die Altenburg wäre demnach ein Glied einer Ringwallkette gewesen, die möglicherweise die Ebene von Maden, mit der Mader Heide, und den Niedensteiner Stadtteil Metze umfasste. In diesen Gebiet befanden sich die wichtigsten religiösen, politischen und rechtlichen Stätten der Chatten.
Laut der Vita Sancti Bonifatii des Willibald von Mainz fällte der angelsächsische Missionar und Kirchenorganisator Bonifatius im Jahr 723 n. Chr. bei Fritzlar einen dem germanischen Gott Donar (Thor) geweihten Baum, die Donareiche. Aus ihrem Holz ließ er eine Kapelle errichten, an deren Stelle heute der Fritzlarer Dom steht. Das mit der Kapelle verbundene Kloster und die westlich davon gelegene Königspfalz, die Karl der Große 775 erbauen ließ, verschafften Fritzlar eine bedeutende Stellung im karolingischen Reich. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu zahlreichen Königs- und Kaiserbesuchen sowie zu Reichs- und Kirchenversammlungen. 919 wurde der sächsische Herzog Heinrich in Fritzlar zum König gewählt.
Die bisher königseigene Stadt Fritzlar kam ab etwa 1066 durch mehrere Schenkungen des Kaisers Heinrich IV. an das Erzstift Mainz. Zwar blieb die Stadt bis weit ins 13. Jahrhundert die wichtigste Stadt Niederhessens, wurde dann aber allmählich von den landgräflichen Residenzstädten Marburg und Kassel abgelöst. Der wachsende weltliche Einfluss des Erzbistums in der Region sorgte vom 13. bis ins 15. Jahrhundert für ständige Fehden zwischen Kurmainz und den Landgrafen von Hessen um die territoriale Vorherrschaft. Der Sieg des Landgrafen im entscheidenden Mainzisch-Hessischen Krieg von 1427 beendete die Mainzer Ambitionen in Ober- und Niederhessen. Fritzlar war nun fast ganz von hessischem Gebiet umschlossen. Die Stadt wurde erst 1803 mit dem Reichsdeputationshauptschluss hessisch.
Im Südteil des Kreises gelang es den Grafen von Ziegenhain im 12. Jahrhundert, sich auf der Grundlage von Fuldaer und Hersfelder Vogteirechten eine geographisch geschlossene Herrschaft aufzubauen. Die strategische Lage zwischen Ober- und Niederhessen und zwischen Mainz und Hessen zwang die Grafen zu geschicktem Lavieren in den Auseinandersetzungen zwischen den Landgrafen und Kurmainz. In den 1370er Jahren war Gottfried VIII. …