Kreis Nordfriesland: Geschichte
Zur Vorgeschichte des Kreises Nordfriesland siehe Nordfriesland#Geschichte.
Die Geschichte von Nordfriesland als politischer und verwaltungsmäßiger Einheit nahm mit den Diskussionen Ende der 1960er Jahre und der darauf folgenden vorbereitenden Planung der Kreisreform von 1970 konkretere Form an. Nachdem Pläne zur Bildung eines solchen Kreises bereits in den 1920er Jahren erstmals durch den Nordfriesischen Verein für Heimatkunde und Heimatliebe diskutiert wurden, flammten diese im Nachkriegsdeutschland wieder auf. Im Herbst 1968 wurde in einem Gutachten vorgeschlagen, die Kreise Südtondern, Husum und Eiderstedt zu einem Großkreis zusammenzufassen. Diese Vereinigung stand im Zusammenhang mit einer Kreisreform, die ganz Schleswig-Holstein betraf und die zum Ziel hatte, die Anzahl der Kreise zu senken.
Die daraufhin erfolgten Diskussionen in den politischen und bürgerlichen Kreisen der drei Vorgängerkreise zeigten aber unterschiedliche Bilder. Auf beiden Seiten befürworteten lediglich die Vertreter des Kreises Husum diesen Zusammenschluss, sahen die Pläne doch vor, dass Husum Kreisstadt bleiben sollte. Anders sah es aber in den beiden Nachbarkreisen aus. Im damals einwohnerärmsten schleswig-holsteinischen Kreis Eiderstedt wünschten sich die politischen Vertreter einen Anschluss an den Kreis Dithmarschen, der jedoch mehrheitlich von der Bevölkerung abgelehnt wurde. Im nördlichen Nachbarkreis Südtondern verlief die Auseinandersetzung besonders eng. Auf politischer Seite stimmte der Kreistag mit den Stimmen der Parteien CDU, SPD und FDP gegen eine Zusammenlegung. Lediglich die beiden Vertreter des SSW, Carsten Boysen und Ernst Meyer, sprachen sich für die Reform aus. Auf bürgerschaftlicher Seite wurde eine Bürgeraktion Gerechtigkeit für Südtondern gegründet. Die meisten hofften darauf, die Eigenständigkeit halten zu können. Als Kompromiss wurde lediglich die Alternative genannt, wonach Südtondern höchstens mit dem Kreis Husum (ohne Eiderstedt) zusammengeführt werden und Niebüll Kreisstadt bleiben sollte.
Verantwortlich für die Neugliederung war schließlich das Abstimmungsergebnis im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Hier wurde die Entscheidung zugunsten des im Gutachten empfohlenen Regionszuschnitts getroffen. Trotz der Gegenstimme des Südtonderaner CDU-Wahlkreisabgeordneten und verschiedener SPD-Oppositionspolitiker erhielt der Gesetzesvorschlag die Mehrheit von einer Stimme. Es war die des nordfriesischen SSW-Abgeordneten Berthold Bahnsen. Somit war die nordfriesische Kreisbildung also nicht durch freien Entschluss der Nordfriesen selbst herbeigeführt worden. Im Zusammenhang mit einer Kommunalwahl wurden die Kreise wie geplant am 26. April 1970 zusammengelegt. Die drei Kreise Eiderstedt, Husum und Südtondern (bis auf sechs Gemeinden) sowie drei Gemeinden des vormaligen Kreises Schleswig wurden zum neuen „Kreis Nordfriesland“ mit Sitz in Husum vereinigt.
Auf einer Teilfläche des frei gewordenen Geländes des traditionsreichen Husumer Viehmarkts entstand das neue zentrale Verwaltungsgebäude mitsamt Besucher- und Mitarbeiterparkplätzen.
Bei den Kreistagswahlen 1978 kamen im Kreis Nordfriesland und im Kreis Steinburg zum ersten Mal in Deutschland Grüne Listen, die Vorläufer von Bündnis 90/Die Grünen, über die Fünf-Prozent-Hürde.
Seit 2004 ist der Kreis Nordfriesland anerkannte Optionskommune für Leistungen nach dem SGB II. Hierzu wurden in Westerland, Wyk auf Föhr, Leck, Niebüll, Breklum, Husum und Tönning Sozialzentren eingerichtet. …