Landkreis Tuttlingen: Geschichte
Frühgeschichtlich lag der Landstrich um Tuttlingen vermutlich im Siedlungsgebiet der keltischen Tulinger, welche ab dem Jahre 15 v. Chr. vom Römischen Reich unterworfen und romanisiert wurden. Als Teil der späteren römischen Provinz Obergermanien lag der Landstrich bis ungefähr 95 n. Chr. am Obergermanisch-Raetischen Limes auf der Donausüdstraße (via iuxta Danuvium). Auf dem Gebiet der heutigen Tuttlinger Altstadt befand sich zu dieser Zeit vermutlich ein Kastell. Wegen der heutzutage dichten Besiedlung des Gebiets wurde von Ausgrabungen bisher abgesehen, sodass recht wenig über das Tuttlinger Kastell bekannt ist. Nach dem Rückzug der römischen Legionen besiedelten die Sueben und/oder Alamannen das hiesige Gebiet.
Das heutige Kreisgebiet hat eine bewegte Geschichte seiner territorialen Zugehörigkeit. In der Karolingerzeit war es Herrschaftsgebiet verschiedener Adelsgeschlechter, die obere Donau z. B. der Alaholfinger oder Bertholde. Nach dem Zerfall des Frankenreichs 843 gehörte das Gebiet zum Ostfrankenreich und ab etwa 920 zum Herzogtum Schwaben, wo es innerhalb der Scherragrafschaft verwaltet wurde. 1273 kam das Gebiet unter Rudolf II. großteils zum habsburgischen Vorderösterreich bzw. zum Fürstentum Fürstenberg des Schwäbischen Reichskreises.
Nach den napoleonischen Kriegen wurde das Gebiet 1806 überwiegend dem Königreich Württemberg zugeschlagen, doch gab es zu Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen, die 1849 gemeinsam in den dann preußischen Hohenzollernschen Landen aufgingen, mehrere kleine Exklaven, die erst spät durch Gebietstausch bereinigt wurden.
Schon im 15. Jahrhundert wurde das württembergische Oberamt Tuttlingen errichtet, das 1806 neu umschrieben und auch danach noch einige Male verändert wurde. So wurde 1842 die Gemeinde Schwenningen am Neckar an das Oberamt Rottweil abgegeben. Aus meist österreichischen Gebieten war 1806 das Oberamt Spaichingen gebildet worden. Beide Oberämter gehörten ab 1810 zur Landvogtei am obern Neckar und ab 1818 zum Schwarzwaldkreis, der 1924 aufgelöst wurde. 1934 wurden beide Oberämter in Landkreise umbenannt und 1938 wurde der Landkreis Spaichingen aufgelöst. Die meisten Gemeinden kamen dabei zum Landkreis Tuttlingen, einige zum Landkreis Balingen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Landkreis Tuttlingen 1945 in die Französische Besatzungszone und kam in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. Seit der Länderneugliederung am 25. April 1952 gehört der Landkreis zum Land Baden-Württemberg und bis zum 31. Dezember 1972 zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern.
Bei der Kreisreform erhielt der Landkreis Tuttlingen am 1. Januar 1973 einige badische Gemeinden der aufgelösten Landkreise Donaueschingen und Stockach sowie die Gemeinde Bärenthal vom Landkreis Sigmaringen; er gab die Gemeinde Tuningen an den Schwarzwald-Baar-Kreis ab. Seither gehört der Landkreis Tuttlingen zum Regierungsbezirk Freiburg.
Bereits am 1. Juni 1972 kam die Gemeinde Eßlingen aus dem Landkreis Donaueschingen hinzu. Sie wurde in die Kreisstadt Tuttlingen eingemeindet.
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Tuttlingen 35 Gemeinden, darunter sechs Städte und mit Tuttlingen eine Große Kreisstadt. Größte Stadt ist Tuttlingen, kleinste Gemeinde ist Reichenbach am Heuberg.