Kreis Dithmarschen: Geschichte
Erstmals erwähnt wird Dithmarschen im 9. Jahrhundert. Thiatmaresgaho gehörte zu den drei sächsischen Gauen nördlich der Elbe, die Karl der Große in das Fränkische Reich eingegliedert hatte. Nach der Schlacht bei Bornhöved 1227 fiel Dithmarschen an das Erzbistum Bremen, dessen Einfluss auf das Land jedoch gering blieb. Von 1227 bis 1559 war es eine nahezu eigenständige Bauernrepublik im Bilde der Plutokratie, in der aus den „Dithmarscher Wappengeschlechtern“, um 1448, mit dem Rat der Achtundvierziger eine eigenständige Regierung gebildet wurde. Die Grafen von Holstein und Herzöge von Schleswig versuchten mehrfach, das reiche Bauernland zu erobern, mussten jedoch mehrere militärische Niederlagen hinnehmen. Zu bedeutenden Siegen der Dithmarscher kam es 1288 („Hasenkrieg“), 1319 (Schlacht von Wöhrden), 1403/04 (Schlacht in der Süderhamme) und 1500 (Schlacht bei Hemmingstedt). Erst in der Letzten Fehde 1559 wurde das Heer von einer vereinigten Streitmacht unter Johann Rantzau geschlagen. Das Land wurde unter den Siegern, Herzog Adolf I. von Schleswig-Holstein-Gottorf, dem dänischen König Friedrich II. und Herzog Johann II. von Schleswig-Holstein-Hadersleben aufgeteilt.
Dithmarschen war im deutschsprachigen Europa bis zur frühen Neuzeit neben der Schweiz die einzige Republik. Die Kirchspiele fungierten hier ähnlich wie die Schweizer Kantone. Ein Forschungsprojekt der Universität Kiel drückt es so aus:
[…] aus Dithmarschen zu sein steht jedoch für eine gewisse Eigenart der Bewohner, eine spezielle Eigenständigkeit...sicherlich für ein besonders ausgeprägtes Selbstbewußtsein. Ein Selbstbewußtsein, das in der Dithmarscher Geschichte wurzelt, die in Dithmarschen wahrlich prägend ist.
Der Historiker Robert Heinrich Chalybäus formulierte im 19. Jahrhundert: „Ditmarsen, dat schölen Buren sin? Et mögen wohl wesen Heren.“
Die Reformation erreichte Dithmarschen erst nach dem gewaltsamen Tode Heinrich von Zütphens am 10. Dezember 1524 (Ermordung in Heide). Die reformatorische Lehren wurden zuerst im Meldorfer Dom gepredigt. Ab 1532 verbot der Rat der 48er bei Strafe für Leib und Leben das Festhalten am alten Glauben.
Nachdem es seine Unabhängigkeit endgültig 1559 verloren hatte, wurde Dithmarschen in drei Teile (Neocorus, Band II, S. 268) aufgeteilt. Der mittlere Teil rund um Heide wurde nach dem Tode des Fürsten Johann 1581 den Teilen Norderdithmarschen und Süderdithmarschen zugeteilt. 1773 waren beide Dithmarschen unter einer dänischen Führung.
Die Region behielt eine hohe Eigenständigkeit und relative Selbstständigkeit. Das 1567 reformierte Dithmarscher Landrecht blieb über 300 Jahre in Kraft. In den folgenden Zeiten erlebte die Gegend einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zahlreiches Land wurde neu gewonnen. So wurde 1585 die Insel Busen, die heutige Gemeinde Büsum, mit dem Festland verbunden.
Nach Verwüstungen durch Sturmfluten und inneren Streitigkeiten am beginnenden 18. Jahrhundert erholte sich die Region anschließend wieder. Der dänische König reformierte die durch häufige Kriege zerstörte Landschaft durch Aufteilung der Meente (Allgemeinbesitz), Verkoppelung der Einzelhöfe und die Anlage von Knicks und strukturierte das ländliche Wegenetz neu. Zahlreiche Bauten aus der Zeit zeugen vom relativen Wohlstand der Region. …