Erlangen: Geschichte
=== Allgemeine Geschichte der Stadt ===
In der Urgeschichte Bayerns spielte das Regnitztal als Durchgangsweg in Nord-Süd-Richtung schon frühzeitig eine Rolle. In Spardorf wurde in Löss-Ablagerungen ein Klingenkratzer gefunden, der dem Gravettien zugeschrieben wird und damit etwa 25.000 Jahre alt ist. Aufgrund der relativ kargen Böden sind im Erlanger Raum erst am Ende der Jungsteinzeit (Endneolithikum, etwa 2800–2200 v. Chr.) Ackerbau und damit verbundene Siedlungen nachweisbar. Aus diesem Zeithorizont stammen die „Erlanger Zeichensteine“ im Mark-Forst nördlich der Stadt (mit Petroglyphen versehene Sandsteinplatten), die während der Urnenfelderzeit (1200–800 v. Chr.) sekundär wieder als Grabeinfassungen verwendet wurden.
Der 1913 untersuchte Grabhügel in der Gemarkung Kosbach enthielt Funde aus der Urnenfelderzeit sowie aus der Hallstatt- und Latènezeit. Der Fuß des Hügels stößt an den sogenannten Kosbacher Altar aus der jüngeren Hallstattzeit (etwa 500 v. Chr.), eine in dieser Form einzigartige, quadratische Steinsetzung mit vier aufrecht stehenden, figürlichen Pfeilern an den Ecken und einem ebensolchen in der Mitte. Die Rekonstruktion der Anlage kann im Gelände besichtigt werden, die mittlere Wächterfigur ist im Stadtmuseum ausgestellt.
Erlangen wird erstmals namentlich in einer Urkunde aus dem Jahre 1002 erwähnt. Die Herkunft des Ortsnamens Erlangen ist nicht geklärt. Versuche der Lokalforschung, den Namen von Erlen (Baumart) und Anger (Wiesengrund) abzuleiten, halten der Ortsnamenforschung nicht stand.
Bereits 976 hatte Kaiser Otto II. die Kirche St. Martin in Forchheim samt Zubehör dem Bistum Würzburg geschenkt (MGH, D. O. II., 132). König Heinrich II. bestätigte 1002 diese Schenkung (MGH, D. H. II., 3) und genehmigte deren Übertragung vom Bistum auf das neu gegründete Stift Haug. Im Gegensatz zur Urkunde Ottos II. wurde hier das Zubehör genauer beschrieben. Zu ihm gehörte auch die im Radenzgau gelegene „villa [Dorf] erlangon“'. Damals erstreckte sich der bayerische Nordgau im Westen bis zur Regnitz, im Norden bis zur Schwabach. Villa erlangon muss daher außerhalb dieser Grenzen gelegen haben und somit nicht im Bereich der heutigen Erlanger Altstadt. Da es den Ortsnamen Erlangen außer für das westlich der Regnitz gelegene, heute eingemeindete Dorf Alt-Erlangen kein zweites Mal in Deutschland gibt, kann mit der Beschreibung „erlangon […] in pago Ratintzgouui“ nur jenes Alterlangen gemeint sein. Dafür liefert die Urkunde einen zusätzlichen Beleg: Heinrich II. schenkte im Jahre 1002 darüber hinaus („partim superaddimus“) weitere Gebiete östlich der Regnitz: eine Meile von der Schwabachmündung nach Osten sowie je eine Meile von dieser Mündung regnitzaufwärts und regnitzabwärts. Diese beiden Meilenquadrate sind in der Urkunde nur durch die Längenangaben und die zwei Flussnamen beschrieben. Jeder Bezug zu einem Ort fehlt. Sie stehen in keinem Zusammenhang mit dem Zubehör von St. Martin, das die villa erlangon einschloss. Auch deswegen muss sie räumlich getrennt von dem Gebiet der Meilenquadrate gelegen haben. Größe und Umfang der beiden Meilenquadrate entsprechen etwa dem Flächenbedarf eines Dorfes zur damaligen Zeit. Das stützt die Annahme, dass zum Zeitpunkt der Beurkundung östlich der Regnitz eine Rodungssiedlung im Entstehen war, die durch diese Schenkung legitimiert werden sollte und die später, wie in vergleichbaren Fällen, den Namen der Muttersiedlung übernommen hat. …