Landkreis Schweinfurt: Geschichte
=== Vorgeschichte ===
Der Schweinfurter Raum mit seinen fruchtbaren Böden ist reich an vor- und frühgeschichtlichen Zeugnissen. Schwanfeld gilt als ältestes Dorf Deutschlands, auch wenn eine durchgehende Besiedlung von den ersten Funden 5500 vor Christus aus der bandkeramischen Zeit bis heute nicht nachgewiesen ist. In Dittelbrunn ist ein Fund aus der Mittelsteinzeit (um 10000 v. Chr.) belegt und in Hambach sind Funde aus der Jungsteinzeit (etwa 4000 vor Chr.), der Urnenfelderkultur (etwa 1200 v. Chr.), der Hallstattzeit (etwa 700 bis 400 v. Chr.) und der La-Tène-Zeit (etwa 450 v. Chr.) nachgewiesen (siehe Dittelbrunn, Vorgeschichte).
Ausgrabungen aus der Merowingerzeit wurden auf dem Gräberfeld von Zeuzleben und aus ottonischen Zeit in Geldersheim an der Kirchenburg durchgeführt. Mehrere Dörfer wurden bereits im 8. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt:
Im frühen Mittelalter erstreckte sich der ostfränkische Gau Grabfeld, dessen Gaugrafen seit 819 urkundlich belegt sind, von der Rhön bis herunter in den Raum von Schweinfurt und Geldersheim.
1437 kaufte der Rat der Reichsstadt Schweinfurt vom Deutschen Orden die Ortschaften im heutigen Landkreis, Zell, Weipoltshausen, den Weiler Ottenhausen und den Hof Thomashof. 1620 kam noch das Dorf Madenhausen zur Reichsstadt (alles in dunkelgelber Fläche auf nebenstehender Karte). Die Einwohner dieser Orte waren Untertanen der Reichsstadt, besaßen jedoch in der Regel kein Bürgerrecht. Zudem lagen im heutigen Landkreis um die Reichsstadt Schweinfurt die Reichsdörfer Sennfeld und Gochsheim (hellgelb) und die Reichsritterschaften Schwebheim, Niederwerrn, Euerbach und Obbach (braun). All die genannten Territorien schlossen sich der Reformation an und wurden protestantisch.
Durch den heutigen Landkreis führte eine bedeutende überregionale Nord-Süd-Verbindung durch die Furt bei Schweinfurt und den Main. Diese Altstraße ist bereits in der Rompilgerweg-Beschreibung der Annales Stadenses aus dem 13. Jahrhundert enthalten. Die Straße war auch eine wichtige Hauptachse für das Hochstift Würzburg, die jedoch im mittleren Bereich um Schweinfurt durch protestantische Territorien führte. Deshalb entstand ab etwa 1780 bis 1796 westlich dieser alten Straße eine Chaussee von Würzburg nach Meiningen ausschließlich durch das Hochstift. Sie führt zwischen Eßleben und Pfersdorf auf 27 km durch den heutigen westlichen Landkreis Schweinfurt. Die Straße wurde ingenieurmäßig ähnlich einer modernen Schnellstraße auf einer völlig neuen Linienführung geplant, unter Umgehung zahlreicher Dörfer, mit langen, schnurgeraden Abschnitten und wenigen kurzen, dazwischenliegenden Kurven, nach demselben Prinzip der Linienführung wie die späteren Reichsautobahnen. Zudem wurden die langen Geraden so ausgerichtet, dass sie öfters exakt auf Kirchtürme von Ortschaften und die Türme des Schlosses Werneck führten (siehe nebenstehende Karte zur Reichsstadt Schweinfurt).
Die Sommerresidenz der Fürstbischöfe Schloss Werneck wurde kurz zuvor, 1733 bis 1745, unweit von Schweinfurt an dieser Verbindung errichtet. Der Standort an der Stelle einer niedergebrannten Burg wurde aus strategischen Gründen gewählt. Diese waldlose Gegend, in der intensiver Ackerbau betrieben wird, eignete sich eigentlich nicht als Ort für eine Sommerresidenz oder ein Jagdschloss.
Die Straße wurde später ein Abschnitt der Reichsstraße 19 von Eisenach zum Kleinen Walsertal und ging danach in der verkürzten Bundesstraße 19 auf. …