Landkreis Berchtesgadener Land: Geschichte
=== Vorgeschichte der drei Landkreisregionen ===
Das heutige Landkreisgebiet gehörte ursprünglich vollständig zum baierischen Stammesherzogtum. Ab dem 13. Jahrhundert gelangten wechselnd große Teile davon in das politisch eigenständig gewordene Erzstift Salzburg, während das Klosterstift Berchtesgaden ab Ende des 12. Jahrhunderts zunehmend höhere Gerichtsbarkeiten und damit auch weltliche Macht auf sich vereinigen konnte und ab 1559 als Fürstpropstei Berchtesgaden für das Land Berchtesgaden gleiche reichsunmittelbare Eigenständigkeit wie das fürsterzbischöfliche Salzburger Land errang.
Historisch ergibt sich daraus für die Vorgeschichte des Landkreises eine Gliederung in drei Regionen:
im Südteil das dem Landkreis namensgebende, „eigentliche“ Berchtesgadener Land, das der Fläche nach seit 1155 dem Kernland des später zur Fürstpropstei erhobenen Klosterstifts Berchtesgaden entsprach und bis heute eine geografisch-soziokulturelle Region bildet,
nordwestlich davon in der Mitte des Landkreises die Stadt Bad Reichenhall, die mit ihrem Umland der heutigen Gemeinden Bayerisch Gmain und Schneizlreuth durchgängig bis 1806 dem baierischen Stammesherzogtum und dann der Kurpfalz-Bayern angehörte und
im Norden der südliche Teil des ehemals vom Erzstift Salzburg beherrschten Rupertiwinkels.
Die Besiedelung des hochalpinen Gebietes um den heutigen Markt Berchtesgaden setzte mit den ersten Rodungsaktivitäten von Augustiner-Chorherren Anfang des 12. Jahrhunderts ein. 1122 wurde in Berchtesgaden ein erster Bauabschnitt oder Notbau der Stiftskirche eingeweiht. Im Laufe der Jahrhunderte konnte sich das Gemeindewesen entwickeln und gelangte auf Grund der reichen Salzvorkommen und des von Kaiser Friedrich Barbarossa übertragenen Salzregals zu erheblichem Wohlstand. Die Salzvorkommen führten allerdings auch immer wieder zu „Salzirrungen“ bzw. kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Salzburg. Zudem machten die pröpstlichen Regenten weit mehr Schulden, als sie Einnahmen hatten, so dass Teile des Gebietes verpfändet und von 1393 bis 1404 das komplette Gebiet in das Erzstift Salzburg inkorporiert wurde. Davor und danach sind dem 1380 als Zepterlehen zur Reichsprälatur aufgestiegenen Klosterstift Berchtesgaden dennoch immer mehr Rechte bis hin zur Blutgerichtsbarkeit übertragen worden, bis es 1559 schließlich zur Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben wurde und dadurch völlige Reichsunmittelbarkeit erlangte. Erst 1803 im Rahmen der allgemeinen Säkularisation in Bayern wurde die fürstpröpstliche, d. h. geistliche und weltliche Eigenständigkeit aufgehoben und das Berchtesgadener Land ging vorerst in dem neugegründeten Kurfürstentum Salzburg auf. Nach dem Frieden von Pressburg 1805 fiel es an das Kaiserreich Österreich, 1809 unter Napoleon an Frankreich und 1810 wurde es schließlich dem Königreich Bayern angegliedert.
Heute wird die einst fürstpröpstlich regierte Region Berchtesgadener Land mit den Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau bei Berchtesgaden und Schönau am Königssee sowie den gemeindefreien Gebieten Eck und Schellenberger Forst auch als Südlicher oder Innerer Landkreis bezeichnet. …