Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen: Geschichte
=== Urgeschichte ===
Auf dem Gebiet des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen gibt es Spuren menschlicher Anwesenheit entlang der Mittelgebirge aus der Mittelsteinzeit und aus der Zeit frühester bäuerlicher Kulturen der Jungsteinzeit. Davon zeugen zahlreiche Funde von Dreiecksmikrolithen, Steinbeilen, Freilandstationen und Grabhügel, etwa nahe der Alten Bürg. Aus dem Donauraum kommend, siedelten sich in der Jungsteinzeit Menschen der Rössener und bandkeramischen Kultur an. Aus der Bronzezeit stammen zahlreiche Gräber, das größte Kollektivgrab der Region findet sich in Wettelsheim, wo mindestens 15 Menschen in einer Steinkammer bestattet wurden.
Von der Urnenfelderkultur (um 1300 bis 800 v. Chr.) zeugen 1908 bis 1911 gefundene ummauerte Siedlungen auf dem Gelben Berg, Ringschmuck oder Pfeilköcher von der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.). Funde aus der jüngeren Hallstattzeit sind spärlicher, was auf eine geringere Besiedlung oder eine Siedlungsunterbrechung hindeutet. Mit Mauern befestigte Siedlungen aus der Hallstattzeit, etwa auf dem Gelben Berg, sind schon lange bekannt. Zahlreiche andere urgeschichtliche Siedlungen, die oft zu Bodendenkmälern erklärt wurden, zeugen von der bäuerlichen Besiedlungsgeschichte der Region, vielerorts sind sie nur mittels Luftbildfotografien sichtbar. Von der Anwesenheit der Kelten in der Latènezeit zeugen Grabhügel, Viereckschanzen und Abschnittswälle. Die Kelten flüchteten bei Ankunft der Römer auf Höhensiedlungen. In und um Westheim befindet sich das vielleicht größte keltische Hügelgräberfeld Süddeutschlands mit 244 Grabhügeln.
15 v. Chr. wurde die römische Provinz Raetia eingerichtet. Unter Kaiser Domitian entstand bei Weißenburg um 90 n. Chr. ein rund 2,8 Hektar großes Holz-Erde-Kastell in unmittelbarer Nähe eines keltischen Oppidums. Seine Garnison diente der Sicherung des nördlich der Donau eroberten Gebietes, das kurz zuvor der Provinz Raetien einverleibt worden war. Unter Kaiser Commodus begann der Bau des Limes, den er und seine Nachfolger durch ein Straßennetz und Kastelle sowie durch Ausbau der vorhandenen Kastelle sichern ließen, wie das Kastell Biriciana bei Weißenburg, das ab Mitte des 2. Jahrhunderts ein steinernes Alenlager von 3,1 Hektar Fläche wurde, das 170 auf 174 mal 179 Meter maß. Biriciana wurde zur römischen Kleinstadt, in der um 150 vielleicht 5.000 Menschen lebten, immerhin die Hälfte der Einwohnerzahl der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum (Augsburg), und wo Thermen errichtet wurden. …