Landkreis Kitzingen: Geschichte
=== Vor- und Frühgeschichte ===
Das Kreisgebiet ist seit der Altsteinzeit durchgehend besiedelt. Für die frühen Epochen, von denen noch keine schriftlichen Aufzeichnungen der Bewohner vorliegen, ist man auf archäologische Ausgrabungen bzw. zufällige Lesefunde angewiesen. Erst aus der Frühgeschichte liegen Werke auswärtiger Autoren (zumeist Römern) vor, die über die Völkerschaften in diesem Raum berichten. Die Gäuflächen, das Maintal und das Steigerwaldvorland waren wesentlich früher erschlossen als die Gebiete im klimatisch benachteiligten Steigerwald. Sie hatten auch eine höhere Siedlungsdichte.
Der erste Nachweis einer menschlichen Existenz im Kitzinger Land ist ein über 150.000 Jahre alter Quarzit-Faustkeil aus der Gemarkung von Dornheim. Damals war das Gebiet zwischen Main und Steigerwald wohl ein bevorzugtes Jagdgebiet umherziehender Gruppen. Dies unterstreichen die Funde von Schabern und Klingen aus dem Gebiet zwischen Kitzingen und dem Schwanberg. Eine Blattspitze aus Neusetz könnte als Geschosskopf einer Jagdwaffe der steinzeitlichen Menschen gedient haben.
In der Mittelsteinzeit erwärmte sich das Klima in Mitteleuropa. Aus dieser Zeit stammen viele Funde im nordwestlichen Landkreis, weil die Bodenbeschaffenheit mit hohem Sandanteil die Objekte besser konservierte. Die Geräte weisen eine große Ähnlichkeit mit denen der Altsteinzeit auf. Mikrolithen dienten als Harpunen für den Fischfang im Main und in seinen Zuflüssen. Eine große Menge dieser Objekte wurde bei Großlangheim entdeckt.
Funde der Jungsteinzeit unterscheiden sich erheblich von den Hinterlassenschaften der Vorgängerepochen. Erstmals waren die Menschen nicht nur Nomaden, sondern lebten als Ackerbauern in einer Dorfgemeinschaft. Typische Relikte aus dieser Zeit sind die sogenannten Wohnspeicherbauten der bandkeramischen Kultur. Außerdem hielt kultisches Brauchtum Einzug. In Repperndorf wurden figürliche Darstellungen von Menschen ausgegraben, in Mainstockheim und Schernau entdeckte man steinerne Fruchtbarkeitsidole.
Später löste die Rössener Kultur die Bandkeramik ab. Sie errichteten auch Wehrbauten wie das Wall-Graben-Werk nordöstlich von Enheim. Das Ende der Jungsteinzeit wurde mit der schnurkeramischen Kultur eingeleitet. Die Menschen praktizierten einen strengen Totenbrauch mit den sogenannten Doppelhockerbestattungen. Zugleich muss es sich um eine kriegerische Gesellschaft gehandelt haben, dies belegt die Ausgrabung einer Streitaxt in der Nähe von Dimbach. Kriegerisch waren auch die Menschen der Glockenbecherkultur, von denen im Landkreis allerdings nur wenige Überreste identifiziert werden konnten. Daumenschutzplatten aus Stein, die auf der Vogelsburg und dem Schwanberg gefunden wurden, sind die einzigen Zeugnisse ihrer Existenz. …