Landkreis Wesermarsch: Geschichte
=== Landschaftsgeschichte ===
Seit circa 6000 v. Chr. wird durch den Wechsel von Überflutungsphasen (Transgression) und Senkungsphasen (Regression) des Meeresspiegels der Küstenverlauf der Nordsee bestimmt. Während die Marsch in den Überflutungsphasen kaum bewohnbar war, konnte sie in den Ruhephasen besiedelt und bewirtschaftet werden. In einer solchen Senkungsphase wurde z. B. die Siedlung an der Hahnenknooper Mühle um 900 v. Chr. angelegt. Das Wasser der Weser und ihrer linken Nebenflüsse konnte sich in der noch nicht eingedeichten Marsch weitflächig verteilen. Erst in einer erneut einsetzenden langsamen Transgressionsphase in den folgenden Jahrhunderten wurde die Flussmarsch häufiger vom Salzwasser überspült, was die Boden- und die Trinkwasserqualität verschlechterte, so dass die Siedlungen nördlich der Hunte aufgegeben werden mussten.
Seit dem 2. Jahrhundert gingen die Bewohner der Wesermarsch dazu über, sich gegen die Fluten des Meeres und der Weser durch Wurten, später auch durch Deiche zu schützen. Radikal verändert wurde die Gestalt der Wesermarsch-Landschaft durch Meereseinbrüche im hohen und späten Mittelalter: Butjadingen wurde zeitweise zu einer Insel, in deren Süden die Heete den sich bildenden Jadebusen mit der Weser verband. Eine zweite Verbindung machte auch aus dem Stadland eine Insel; sie verlief vom Osten des Jadebusens über die Ahne und das Lockfleth zur Weser südlich von Brake. Eine dritte Insel im Weserdelta lag westlich von Ahne bzw. Lockfleth; im Westen wurde sie von der Friesischen Balge, einem Meeresarm, der das heutige Bett der Jade einnahm, im Süden von der Liene begrenzt, einem Strom, der die Jade mit der Weser verband und nördlich von Elsfleth in die Weser mündete (bei Flut) bzw. bei Ebbe von ihr ausging.
Ab dem 16. Jahrhundert wurde ein lückenloses Deichband entlang der Weser, der Innenjade und dem Jadebusen gebaut. Die letzte Lücke wurde 1725 beim Schwimmenden Moor am Jadebusen geschlossen. Die zwischen Jade und Weser liegenden Meeresarme wurden so vom Zustrom der Wassermassen von der Nordsee und von der Weser her abgeschnitten. Teils versandeten die Gewässer von selbst, teils wurden sie zu kleinen Entwässerungskanälen zurückgebaut, teils auch zugeschüttet. Auf diese Weise entstand nördlich der Hunte und südlich von Langwarden ein zusammenhängendes Landgebiet zwischen Jade bzw. Jadebusen und Weser. …