Kempten (Allgäu): Geschichte
=== Antike: Cambodunum ===
Kempten zählt neben Speyer, Worms, Trier, Köln und Augsburg zu den ältesten Städten Deutschlands. Die Geschichte Kemptens reicht mindestens bis in die Zeit der römischen Eroberung des Alpenvorlandes um 15 v. Chr. zurück. In dem vor 18 n. Chr. verfassten vierten Buch der Erdbeschreibung des griechischen Geografen Strabon ist die keltische Siedlung Kambodounon erstmals schriftlich bezeugt. Allerdings fehlen bislang sichere archäologische Zeugnisse für eine größere Siedlung aus vorrömischer Zeit. Als gesichert gilt dagegen die Existenz der römischen Stadt Cambodunum seit etwa der Zeit der besagten römischen Eroberung des Alpenvorlandes durch Drusus und Tiberius. Wahrscheinlich war Cambodunum im ersten und zweiten Jahrhundert die Hauptstadt der Provinz Rätien, bevor das neugegründete Augsburg seit dem späteren 2. Jahrhundert diese Funktion übernahm.
Die Blütezeit der Stadt war das 1. und 2. Jahrhundert. Im späteren 3. Jahrhundert wurde Kempten durch die Anlage des Donau-Iller-Rhein-Limes zur römischen Grenzstadt. Auf und bei dem heute als Burghalde bezeichneten Hügel im Flusstal entstand eine ummauerte spätrömische Kastellsiedlung; sie trug den Namen Cambidanum und erstreckte sich von der Burghalde nach Norden bis zu der Kuppe, auf der heute die St.-Mang-Kirche steht. Eine Abteilung der 3. Italischen Legion war dort dauerhaft stationiert.
Die mittelalterliche Siedlungsgeschichte Kemptens ist komplex; die stadtgeschichtliche Literatur bietet etliche einander widersprechende Versionen. Intensive archäologische Forschungen seit Gründung der Stadtarchäologie 1982 konnten viele Irrtümer ausräumen.
Seit der Mitte des 8. Jahrhunderts bestand auf der linken Illerhochterrasse ein Kloster in Kempten, als dessen Abt und erster Gründer für das Jahr 752 Audogar genannt ist. Wahrscheinlich diente als Klosterkirche eine wenige Jahre zuvor entstandene, vom Augsburger Bischof Wikterp geweihte Marienkirche. Ihr Erbauer war der St. Galler Mönch Theodor, der zusammen mit dem Heiligen Magnus ins Allgäu gekommen war. Das frühmittelalterliche Kloster stand im Bereich des Ostflügels der heutigen Residenz und nicht am St.-Mang-Platz oder auf der Burghalde, wie in der älteren Literatur gemutmaßt wurde.
Die beiden alten Kemptener Pfarrkirchen St. Mang und St. Lorenz haben frühmittelalterliche Vorläufer: Es wurden unter bzw. neben beiden Kirchen Reste der Vorgängerbauten sowie umfangreiche Gräberfelder archäologisch untersucht, die bei beiden Kirchen bis ins späte 7. Jahrhundert zurückreichen. Damit ist die Existenz einer frühmittelalterlichen Siedlung vor der Gründung des Klosters belegt.
Ab 773 förderte angeblich Königin Hildegard, die Ehefrau Karls des Großen, das Kloster Kempten. Sie wurde seitdem als (zweite) Gründerin und Stifterin verehrt. Ebenfalls angeblich bestätigte Karl 774 die Rechte und den Besitz des Klosters. 777 soll Papst Hadrian I. das Kloster in Kempten geweiht haben, doch ist kein Aufenthalt dieses Papstes nördlich der Alpen belegt.
Durch die Förderung der Karolinger – nach Hildegard und Karl auch durch ihren Sohn Ludwig den Frommen – stieg das Kloster Kempten zum flächenmäßig größten und bedeutendsten Herrschaftsträger im Allgäu auf. Dem Fürstabt (Titel seit dem 12. Jahrhundert belegt) gelang es, aus der Siedlung am Flussübergang eine Stadt zu entwickeln. Kloster und Stadt waren bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die Iller getrennt, die erst kurz vor 1300 in ihr heutiges Bett verlegt wurde. …