Landkreis Sonneberg: Geschichte
=== Frühes und hohes Mittelalter ===
In seiner heutigen Ausdehnung umfasst der Landkreis Sonneberg Territorien, deren historische Entwicklung über Jahrhunderte in verschiedenen Staaten verlief. Den größten Teil nehmen Gebiete ein, die aus dem ehemaligen Fürstentum Sachsen-Coburg hervorgegangen sind. Während des frühen Mittelalters bestanden im Gebiet um Coburg und Sonneberg neben größeren Reichsgutkomplexen, die sich 899 in Gestalt des Königshofes Radaha (heute Bad Rodach, Landkreis Coburg) fassen lassen, größere Allodialherrschaften der Grafen von Schweinfurt und der Grafen von Sterker-Wohlsbach. Der südöstliche Teil des Landkreises lag bis ins späte Mittelalter noch im Einflussgebiet des Bistums Bamberg. 1012 gelangten die Reste des Reichsgutes um Saalfeld und Coburg in die Hände des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen, dessen Tochter, die polnische Königin Richeza, diese Gebiete 1056 dem Erzbischof Anno von Köln vermachte. Nach dem Tod Richezas 1069 gründete Anno in Saalfeld ein Benediktinerkloster, das er mit den ezzonischen Besitzungen um Saalfeld und Coburg ausstattete.
Am südlichen Rand des Thüringer Schiefergebirges etablierten sich die niederadligen Herren von Sonneberg und von Schaumberg mit eigenen Herrschaften. Bei den Herren von Sonneberg handelte es sich um Ministerialen der Herzöge von Andechs-Meranien. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts wurden mehrere Angehörige dieses Geschlechts erwähnt; ein Hinweis darauf, dass sich das Geschlecht nach seiner neu errichteten Burg Sonneberg nannte. Der Erwerb von größeren Besitzungen um Sonneberg vom Benediktinerkloster Saalfeld (1252) und die Gründung des Zisterzienserinnenklosters Sonnefeld bei Coburg durch Heinrich II. von Sonneberg markieren den Höhepunkt in der Geschichte des Geschlechts. Während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts setzte ein wirtschaftlicher Verfall der Familie ein, die nach 1310 in männlicher Linie ausstarb.
Die Herkunft der Herren von Schaumberg ist unsicher. Möglicherweise handelte es sich um Edelfreie, die aber um 1200 in einem Ministerialenverhältnis zu den Grafen von Sterker-Wohlsbach standen und diesen im Besitz der Burg Schaumberg folgten. 1216 nannten sie sich erstmals nach ihrer neu erworbenen Burg „von Schaumberg“. Die Besitzungen der Herren von Schaumberg umfassten Reichslehen, die von Schalkau bis zum Rennsteig reichten. Nach dem Aussterben der mit ihnen verwandten Herren von Sonneberg 1310 erweiterten sie ihre Besitzungen auch um die Burg Sonneberg und die umliegenden Anwesen.
Die Territorienbildung im Raum Coburg-Sonneberg setzte unter Graf Hermann I. von Henneberg ein, der nach dem Aussterben der Herzöge von Andechs-Meranien im Jahr 1248 im entstandenen Machtvakuum mit dem Aufbau einer Landesherrschaft um den Mittelpunkt Coburg begann. Nachdem die Herrschaft Coburg zwischenzeitlich an die Markgrafen von Brandenburg gekommen war, gelang Berthold VII. (dem Großen) von Henneberg-Schleusingen 1315 der Rückerwerb dieser „Neuen Herrschaft“. Berthold war der neue starke Mann in der Region, dem sich auch der im Land ansässige Adel unterwarf. 1315 trugen die Herren von Schaumberg ihre Burgen Schaumberg, Sonneberg und Neuhaus Berthold zu Lehen auf. Sonneberg wurde in den folgenden Jahrzehnten völlig an die Henneberger veräußert. …