Schweinfurt: Geschichte
=== Kritik ===
Die Schweinfurter Geschichte bis zum Hochmittelalter ist wenig erforscht. Veröffentlichungen sind widersprüchlich und lassen wichtige Fragen offen. Es wurde der Vorwurf der Zerstörung archäologischer Funde bei Bauarbeiten, unterbliebener fachmännischer Untersuchungen und mangelhafter Dokumentationen für den Zeitraum bis in die 1960er Jahre erhoben. Schweinfurt hat keine Universität, die wissenschaftliche Aufarbeitung blieb spärlich.
Die deutsche Mittellage Schweinfurts an der Mainlinie bestimmte die Geschichte und Kultur der Stadt. Die fränkische Region war frei von äußeren Einflüssen. Sie stand nie unter römischer, napoleonischer oder preußischer Herrschaft, war nie slawisch besiedelt und ist von ihrem Wesen her nicht bayerisch.
Franken zeichnete sich durch eine große Königs- bzw. Reichsnähe aus und bildete eines der Zentren des Heiligen Römischen Reiches. Der Fränkische Reichskreis mit der ursprünglichen Nr. 1 konstituierte sich 1517 in Schweinfurt. Die protestantische Stadt war ein Zentrum der Aufklärung, im scharfen Kontrast der umgebenden Hochstifte Würzburg und Bamberg, mit Hexenverbrennungen bis ins 18. Jahrhundert.
Überregionale politische Bedeutung besaß Schweinfurt lediglich vor 1000 Jahren, überregionale wirtschaftliche Bedeutung besitzt die Stadt seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Wirtschaftliche Krisen wie Aufschwünge traten hier früher und stärker als anderswo in Deutschland auf – die Stadt wurde zum Frühindikator.
Während der jüngsten Vereisungsphase, der Würm-Eiszeit, die um 10.000 v. Chr. endete, lag das Gebiet Schweinfurts in der Mitte des eisfreien, ca. 250 km breiten Korridors, zwischen dem alpinen und dem skandinavischen Eisschild. Erste historische Zeugnisse befinden sich im Vorort Dittelbrunn, wo ein mittelsteinzeitlicher Fund (um 10.000 v. Chr.) belegt ist. Innerhalb des heutigen Stadtgebietes lassen sich Siedlungsspuren seit 7500 Jahren (Beginn der Jungsteinzeit) nahezu lückenlos nachweisen: Von der Bandkeramischen Kultur (5500 bis 5000 v. Chr.) mit einem Langhaus am Kiliansberg und zwei Langhäusern an der Eselshöhe, über die Stichbandkeramik (4900 bis 4500 v. Chr.), weiteren Epochen der Jungsteinzeit (bis 2200 v. Chr.), der Urnenfelderzeit (1300 bis 800 v. Chr.), der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.) am Fischerrain, bis zur Latènezeit (Jüngerer Eisenzeit, 450 v. Chr. bis Jahr 0) an Kiliansberg und Fischerrain.
Eine Besiedlung durch Kelten um 500 v. Chr. und Germanen ist am Biegenbach, zwischen dem Stadtteil Bergl und Geldersheim, nachgewiesen. Die älteste namentlich bekannte Siedlung auf dem heutigen Stadtgebiet ist die am Nordrand von Bellevue gelegene Wüstung Affeltrach, am Ufer der Wern. Der Name leitet sich wohl vom althochdeutschen Wort für Apfelbaum, aphaltar, her. Wahrscheinlich wurde das Dorf bereits in vorchristlicher Zeit von Germanen gegründet. …