Bezirk Deutschlandsberg: Geschichte
Der Ausdruck „Bezirk Deutschlandsberg“ in historischen Unterlagen kann zu Unklarheiten führen: Es gab bis 1938 neben der Verwaltungsbehörde Bezirkshauptmannschaft, die durch den Bezirkshauptmann repräsentiert wird, noch eine Bezirksvertretung. Das war eine Organisationseinheit, die auf Wahlen beruhte und ihre Basis im Landesgesetz über die Bezirksvertretungen hatte. Die Bezirksvertretung gab es jeweils für den Sprengel des Bezirksgerichtes, sie hatte mit dem Gericht aber nichts zu tun (es bestanden daher damals eigene Bezirksvertretungen für Stainz und Eibiswald, die auch öffentlich auftreten konnten, z. B. in einem Schreiben an den steirischen Landtag). Organ dieser Bezirksvertretung war der Bezirksausschuss. Eine Bezirksvertretung nach dieser Grundlage hatte im Wesentlichen bezirksinterne, speziell finanzielle Aufgaben wie die Festsetzung von Abgaben auf Bezirksebene. Unabhängig davon gibt es den Zuständigkeitsbereich des Bezirksgerichtes Deutschlandsberg, der seit Auflassung der Bezirksgerichte Eibiswald (2002) und Stainz (2014) zwar geografisch mit jenem der Bezirkshauptmannschaft deckungsgleich ist, aber mit den Gerichtsverfahren andere Aufgaben umfasst.
Der Bezirk Deutschlandsberg teilt die Entwicklung der Geschichte der Steiermark. In seinem Gebiet sind eine Reihe von Hügelgräbern dokumentiert, die teilweise unter Denkmalschutz stehen.
Eine historisch besondere Situation ergab sich allerdings in religiöser Hinsicht daraus, dass das Gebiet um die damals wesentlich größere Pfarre Groß St. Florian, das bis auf die Höhen der Koralm reichte, von 1373 bis 1789 (als sogenanntes „Kommissariat Groß St. Florian“) nicht zur steirischen Diözese Graz-Seckau gehörte, sondern zur Diözese Lavant, die ihren Sitz in St. Andrä im Lavanttal in Kärnten hatte.
Die Lebensumstände des Fahrenden Volkes bzw. der Angehörigen mancher Unehrlichen Berufe, somit der sogenannten „unteren Gesellschaftsschichten“ im 18. Jahrhundert sind aus einigen Veröffentlichungen aus den Jahren 1711 und 1713 erkennbar. Im Wesentlichen handelt es sich um Fahndungslisten mit Personenbeschreibungen, den oft auch mit körperlichen Merkmalen („krumphäxet“, keine Zähne, buckeliger Gang etc.) beschriebenen Betroffenen wurde auch Delinquenz unterstellt. Im Jahr 1713 sind 289 für die Steiermark steckbrieflich gesuchte Personen dokumentiert, von denen einige auch aus dem Bereich Deutschlandsbergs stammen. Am 1. Februar 1712 wurden in Schwanberg drei Männer hingerichtet, bei denen u. a. 14 Tabakdosen, drei Terzerole, 71/2 Ellen Leinwand und zusammen neben anderem Bargeld 492 Gulden gefunden worden waren.
Ab 1820 erwarb die Fürstenfamilie Liechtenstein ausgedehnte Besitzungen im Bezirk, so die Herrschaften Deutschlandsberg, Frauenthal, Feilhofen, Schwanberg, Limberg und Hollenegg. Die Besitzungen wurden zu unteilbaren und unveräußerlichen Fideikommissen zusammengeschlossen. Die daraus entstandenen Betriebe bilden auch lange Zeit nach der Aufhebung der Fideikommisse, noch im 21. Jahrhundert, einen Wirtschaftsfaktor im Bezirk (so z. B. das Sägewerk beim Bahnhof Stadt Deutschlandsberg).
Durch seine Lage an der Südgrenze der Steiermark gehörte der Bezirk in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs zum Operationsgebiet von Partisanen aus dem Gebiet der damaligen Untersteiermark (CdZ-Gebiet Untersteiermark). Diese Gruppe wurde „Kampfgruppe Steiermark“ bzw. „Koralmpartisanen“ genannt. …